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FORUM: Allgemeines THEMA: Zeitlicher Ablauf bei Unfall
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Morpheus

RANG Deckschrubber

#1 - 07.04 14:44

Hi,

vor einer Ewigkeit gab es hier im CI mal einen Thread, in dem 2 Beschreibungen von verschiedenen Autounfällen enthalten waren.
Es war im 0,1s intervall was genau passiert, (Scheiben splittern, Lenkrad verbiegt sich uns so) auch mit Geschwindigkeitsangaben, beschrieben. Erinner mich leider nur noch sehr Wage.
Hab schon mal nach so etwas gegoogelt und auch hier schon in's Archiv gekuckt, aber leider nichts gefunden.

Kann sich da noch jemand dran erinnern? Hat jemand die Texte?

Gruß

Morpheus
†ЯøjãnэЯ *www.mh-auto.de*

RANG Deckschrubber

#2 - 07.04 15:18

ich hab sowas ähnliches auf unserer feuerwehr-homepage..

Da die Feuerwehren zumeist sehr unmittelbar mit dem Schrecken und Leiden eines Verkehrsunfalls konfrontiert werden, möchten wir an dieser Stelle über die gesamte Dramatik und auch die Grausamkeit eines Unfalles berichten. Besonders ansprechen wollen wir unsere jugendlichen Mitbürger im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Denn auf diese entfallen nicht weniger als 48 Prozent aller Verkehrsunfälle mit Personenschaden.
Die häufigste Unfallursache ist überhöhte Geschwindigkeit; bei einem Drittel aller Fälle ist Alkohol im Spiel. An einem Freitag ereignen sich statistisch gesehen die meisten Unfälle mit Sachschäden, "todsicher" - im traurigsten Sinne des Wortes - ist man an einem Samstag zwischen 15 und 21 Uhr unterwegs. Der "Hauptdarsteller" heißt Friedrich, doch genauso gut könnte er anders heißen - vielleicht genauso wie ...?



Sekunde Null Friedrich fährt 90 km/h. Sein Auto wiegt 1.200 kg. Bei diesem Tempo stecken im Auto 38.226 kg Translationsenergie (nach vorne in Fahrtrichtung strebende Wucht).
Das entspricht der Wucht einer aus 2.000 Meter Höhe abgeworfenen 250 kg Bombe, die mit einer Kraft (Gewicht) von 100 bis 300 Megapond (1 Megapond=1.000 kg) auf hartes Pflaster knallen würde. Friedrich tut von sich aus noch 2.230 kg Energie hinzu, weil er 70 kg wiegt und auch 90 km/h fährt. Soeben fährt er gegen einen Baum.


Sekunde 0,1 Das Zehntel einer Sekunde ist vorbei. Stoßstange und Kühlergrill sind eingedrückt, die Motorhaube beginnt sich zu kräuseln. Der Wagen hat etwa 5 km/h an Fahrt verloren. Friedrich fühlt sich deutlich nach vorne gedrängt. Neben seinem Gewicht, das mit 70 kg im Polster sitzt, hat er nun auch ein Gewicht nach vorne von 170 kg. Friedrich macht die Beine steif, um dieser Neuigkeit im wörtlichen Sinn entgegenzutreten. Und er drückt gegen das Lenkrad, damit es ihn nicht aus dem Sitz hebt. Mit den Beinen stemmt er rund 156 kg ab, mit den Armen stemmt er auch so 30 bis 35 kg. Er hätte nie geglaubt, dass er so stark ist, aber es gelang ihm, noch sitzen zu bleiben. Da kommt der zweite harte Stöße. Noch ehe er sich besinnen kann, ist sie vorbei, die Sekunde 0,1



Sekunde 0,2 Die etwas härteren Teile des Fahrzeuges, Radaufhängung und Kühler, sind soeben am Baum angekommen; die Verbindungen mit dem Wagen reißen ab, denn der übrige Wagen fährt noch sehr schnell, insbesondere hinten mit dem Kofferraum. Friedrich fühlt jetzt einen mächtigen Schlag auf den Beinen, denn der Teil des Wagens, gegen den er sich mit den Füßen stemmt, wurde soeben auf etwa 60 km/h abgebremst. Mit den Beinen stemmt er 350 bis 420 kg ab. Wollte er jetzt noch sitzen bleiben, müsste er mit den Armen 220 kg am Lenkrad abstemmen, aber das schafft er doch nicht. Seine Kniegelenke geben nach, sie brechen einfach knirschend oder springen aus dem Gelenk. Und deutlich spürbare Gewalt zieht ihn mit seinem Gewicht von rund 140 kg auf einer Kreisbahn nach oben in die Ecke der Sonnenblende. Alles in allem verteilt Friedrich zurzeit insgesamt 413 kg Eigengewicht auf seine Gliedmaßen.



Sekunde 0,3 Friedrich hat jetzt ein etwas leichteres Schicksal: Er ist mit Fliegen beschäftigt, er ist noch unterwegs zu den Hindernissen. Seine gebrochenen Knie kleben am Armaturenbrett, mit den Händen hält er fest das Lenkrad, das sich unter seinem Griff elastisch biegt, und ihn um weitere 5 km/h abbremst.



Sekunde 0,4 Friedrich ist noch immer unterwegs, sein Becken stößt gegen den Lenkradkranz. Friedrich ist in diesem Moment nur etwa 100 kg schwer. Die Lenksäule biegt sich unmerklich nach oben. Da kommt der furchtbare Moment, indem der schwerste und stabilste Teil des Wagens, der Motor, an den Baum kracht.



Sekunde 0,5 ist soeben vorbei. Motor und Friedrich stehen still. Nur der Kofferraum fährt noch mit 50 oder 60 km/h. Die Seitenwände des Wagens überholen sich selbst. Die Hinterräder bäumen sich hoch auf, zwei drei Meter hoch. Aber der Wagen interessiert uns jetzt nicht: Was ist mit Friedrich in dieser Zeit passiert? Friedrich kam im Verlauf einer Zehntelsekunde zum Stillstand. Sein Gewicht wuchs auf 973 kg an. Mit dieser erbarmungslosen Gewalt wurde er auf die Lenksäule geschleudert. Das Lenkrad, an dem er sich noch immer fest hielt, brach unter dieser Stoßkraft zusammen wie eine morsche Brezel. Mit der Kraft von rund 870 bis 920 kg (je nach Stärke des Volants) dringt die Lenksäule als stumpfe Lanze in seine Brust. Gleichzeitig rammt der Kopf mit einem betäubenden Schlag die Windschutzscheibe. Hätte sich Friedrich nicht mit so übermenschlicher Kraft am Lenkrad fest gehalten, dann würde er vielleicht auch 1.300 kg schwer geworden sein, in diesem Moment. Und dabei wären ihm die festgeschnürten Schuhe von den Füßen geflogen.





Noch eine oder zwei Zehntelsekunden, dann ist Friedrich tot.

Nach sieben Zehntelsekunden steht der Wagen still.

Das Unglück ist vorbei. Sagen Sie einmal "einundzwanzig" das ist eine Sekunde.

Und nun sagen sie "zwanzig": Das ist die Zeit in die Ewigkeit für Friedrich gewesen.
†ЯøjãnэЯ *www.mh-auto.de*

RANG Deckschrubber

#3 - 07.04 15:20

dazu habe ich auch noch eine passende story:

Denkt ihr auch mal an uns?

In der Zeit, die das Gehirn braucht, um beim Erwachen von totaler Entspannung auf Mindestbetrieb zu schalten, verpasse ich die ersten Silben der Alarmierung: .... Fahrtrichtung Bremen, schwerer Verkehrsunfall mit eingeklemmten Personen!? Während ich im Dunkeln noch schnell horche, ob einer meiner Söhne bei der Alarmierung wach geworden ist, quittiere ich den Alarm des Funkmeldeempfängers, hüpfe in die Hose und raune meiner Frau ein ?Bis gleich? zu, das sie mit ?Pass auf dich auf? erwidert. Ein Ritual, welches Vertrautheit in die unwirklichen Sekunden bringt, die man braucht bis man vollständig gewahr wird, was gerade passiert: Es ist mitten in der Nacht. Samstag nacht. Irgendwo auf der ?Bahn? hat es gekracht, mehrere Personen sind verletzt und im Fahrzeug eingeklemmt. Die Feuerwehr ist gefragt. Und im Gegensatz zu den vielen Bränden und einfachen Hilfeleistungen, bei denen es nicht ganz so kritisch ist und man auch ab und zu Kurioses oder gar Amüsantes erlebt, weiß man sofort, dass dies jetzt nicht der Fall sein wird. Im Gegenteil, es stellt sich eine massive Anspannung im Verbund mit tiefer Besorgtheit ein: Da kämpft jemand um sein Leben. Nicht irgendwo im Fernsehen, sondern ein paar tausend Meter entfernt in der Nacht. Und gleich wird man bei ihm sein und versuchen ?den Unterschied? zu machen. Jetzt gleich.

Im Feuerwehrhaus angespannte Gesichter. Kein flapsiger Spruch, kein Geläster über zerknitterte Gesichtsausdrücke und wilde Frisuren. Das Löschfahrzeug wird besetzt ? Maschinist, Gruppenführer und 3, 5, 6 Mann ? komplett. Der Gruppenführer dreht sich um, unsere Blicke treffen sich kurz. Ein kurzes Nicken. Es bedeutet: ?Gut, dass du da bist.? Ich nicke zurück: ?Wir kriegen das schon hin.? Ich bin zwar nicht der älteste Kamerad auf dem Fahrzeug, aber der einzige mit rettungsdienstlicher Ausbildung. Die wird gebraucht werden, ganz sicher. ?53-10, Ausfahrt?.
Tiefblaue Blitze machen aus den Leitplanken und Bäumen am Rand der Autobahn eine Diashow. Ein Blick in den Mannschaftsraum: Viele alte Hasen, die schon viel Blut auf Blech gesehen haben, aber auch ein ?Neuer?. Immer noch Totenstille und Anspannung. Jeder horcht in den Funkverkehr: Ist der Rettungsdienst schon da, sind die vielleicht doch nicht eingeklemmt, ist der Rüstwagen schon ausgerückt?
Nichts. Wir werden die ersten sein. Mein Job wird es vermutlich sein, auf Biegen und Brechen ins Innere des Fahrzeuges vorzudringen. Egal wie es da drinnen aussieht, wie der PKW liegt oder was sonst so mit ihm ist. Drinnen ist der Verletzungs- und Einklemmungsgrad zu erkunden, die Personen zu betreuen und als Bindeglied zwischen Feuerwehr, Rettungsdienst und Patient zu fungieren. Kein Verdrücken, keine Pause möglich.
?Da isses?. Nur Warnblinker im Dunkeln, kein Blaulicht. Polizei ist also auch nicht da. Der Maschinist blockt mit dem 14 Tonnen schweren Fahrzeug die Unfallstelle gegen den fließenden Verkehr ? zur Sicherheit. Es wäre nicht das erste Mal, dass jemand in eine hell beleuchtete Einsatzstelle brettert. Als das Fahrzeug steht, springe ich mit Notfalltasche, Lampe und Decke vom Fahrzeug und laufe dem Gruppenführer hinterher. Nasser, kalter Dezemberregen. Mehrere PKW stehen unbeleuchtet oder mit Warnblinker auf der rechten Fahrbahn. Da stehen Leute am Waldrand, Fahrzeugteile liegen auf der Bahn, die Leitplanke ist durchbrochen. Aus den Büschen neben der Autobahn ragt ein Fahrzeugheck. Irgendwas gelbes mit Heckspoiler. Etwas älteres. Ein schneller Blick nach vorne: Der ist frontal vor einen Baum. Muss schnell gewesen sein, wo früher das Getriebe ansetzte, ist jetzt Baum. Die Tür hinten geht auf, also ich schlüpfe auf die Rücksitzbank. Zwischen Glassplitter, Stofftiere und CD-Hüllen. Fahrer und Beifahrerin. Beide sehr jung. ?Hallo! Hier ist die Feuerwehr. Können sie mich verstehen?? Ein stimmloses Ja von rechts, nichts von links. Kurze Schrecksekunde, aber links hat einen einigermaßen tastbaren Puls. Während ich den Warnblinker anschalte, Scheiben herunterfahre und dann die Zündschlüssel abziehe fange ich an zu erzählen. Einfache Sätze, nichts kompliziertes: ?Du hattest einen Unfall und bist eingeklemmt. Wo tut es dir weh? Wir müssen dich rausschneiden, dass kann einen Moment dauern. Wie heißt du?? ... und so weiter. Deine Stimme muss präsent sein, dass ist das einzige, an dem der Junge sich orientieren kann. Also reden, reden, reden. Nebenher versuche ich genauer zu erkunden, wie schwer die beiden verletzt sind und wie sie eingeklemmt sind: Der Motor hat auf der Fahrerseite den Vorderwagen; Lenkrad und das Armaturenbrett weit in den Fahrgastraum geschoben. Die Beifahrerin, Steffi, wie ich jetzt weiß, ist zwar eingezwängt, aber nicht direkt eingeklemmt. Ein paar Schnittwunden sehen dramatisch aus, werden aber bald vergessen sein. Da ihr aber der Hals weh tut, werden wir trotzdem etliches an Blech entfernen müssen, um sie möglichst schonend aus dem PKW zu heben. Eine Querschnittslähmung aufgrund eines gebrochenen Halswirbels wollen wir nicht riskieren.

Den Fahrer hat es wirklich schlimm erwischt. Scheiße, scheiße. Er stöhnt auf als ich ihn abtaste. Das Armaturenbrett hat Knie und den Oberschenkelknocken in zahllose Splitter aufgespalten und durch die Muskulatur getrieben. Blut, viel Blut sickert in das Gewebe und fehlt woanders. Die Unterarme sind links und rechts gebrochen bei dem Versuch, sich beim Aufprall abzustützen. Links ragt ein Splitter aus dem Sweater, rechts liegt der Unterarm im rechten Winkel über der Handbremse. Der Brustkorb hat beim Aufprall auf das Lenkrad dieses verbogen, was meistens bedeutet, dass die Lunge durch gesplitterte und gebrochene Rippen verletzt ist. Luftnot ist die Folge. Das ist wie Verschlucken, dauert nur ewig. Vermutlich sind die Unterschenkel auch weich wie Pudding. Was mit den inneren Organen wie Gehirn, Leber etc. ist, die wie ein Punchingball im Körper vor- und zurückgeschleudert worden sind, kann man nur vermuten. Ein Riß in der Leber, und er verblutet innerlich. Ein geplatztes Blutgefäß im Gehirn und er könnte den Rest seines Lebens an die Decke im Pflegeheim starren. Auch ohne Diagnose durch den Notarzt (wo bleibt der eigentlich?) wissen wir, das wir uns beeilen müssen. Der Gruppenführer erscheint am Fenster. ?Und?? ?Fahrer zuerst und mit Crash, Beifahrerin schonend. Zweiten Doktor?. ?Vorschläge beim Fahrer?? ?Tür weg und A-Säule hochdrücken muss reichen. Wenn wir Zeit haben, das Dach noch.? Während wir uns besprechen wackelt das Auto unmerklich. Rüstholz wird untergelegt, damit uns die Kiste beim Auseinanderschneiden nicht plötzlich zusammenklappt, wenn die Türen und das Dach plötzlich fehlen.
Der Notarzt kommt. Kurze Atempause während er von der Seite aus den Fahrer untersucht. Mehr als Schmerzmittel, Infusionen, Sauerstoff geben und ihm eine Halskrause verpassen kann er aber in dieser Lage auch nicht. Der Junge muss in kürzester Zeit ins nächste Krankenhaus, um die inneren Blutungen zu stoppen. ?Zackig. Es eilt.? ist seine Anweisung. Jetzt sind die Kameraden draußen dran. ?Kai, wir schneiden dich jetzt raus. Es wird ein paar mal laut knallen, aber das ist nicht so schlimm. Gleich ist es vorbei.? Wenn wir Pech haben ist das gelogen, aber was soll ich ihm sonst sagen? Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht weiß, ob er mich überhaupt versteht. Mit einem durchsichtigen Kunststoffschild schirme ich ihn ab, vor den Sachen, die da kommen: TWÄNKK - die verkeilte Fahrertür wird mit eine lauten Schlag aufgespreizt und einem weiteren Schlag los geschnitten. Kai stöhnt, er merkt jede Bewegung des PKW. Es wird vermutlich im Fußraum mehrere Stellen geben, wo Fleisch und Knochensplitter direkten Kontakt mit Metall haben. Nächster Schlag, die A-Säule ist oberhalb des Armaturenbrettes durchtrennt. Für die nächsten Schritt an der A-Säule im Fußraum wird der Schutzschild vorsichtig zwischen das Bein und das Metall geschoben. Kai stöhnt wieder. Der Schild geht nicht tiefer. Vermutlich wird das Bein so kräftig gegen die A-Säule gedrückt, das es nicht weitergeht. Kurze Besprechung mit dem Arzt ? weitermachen. Konzentriert setzt der Geräteführer die Rettungsschere an. 600 bar Öldruck pressen die Scherenspitzen mit 100 Tonnen zusammen. Durch Metall, Kunststoff ? oder Knochen wenn man nicht aufpasst. In diesem Momenten ist der Bedienknopf scheinbar glühend heiß. Schneiden, Stopp, Kontrolle, Schneiden, Stopp, Kontrolle. Der nächste Schlag ? die Säule ist durch. Lautes Stöhnen. Das gleiche noch einmal und in die ausgeschnittene Stelle kann der Spreizer gesetzt werden, um das Armaturenbrett nach oben zu drücken. Es gibt nur ein Problem: Wenn Körperteile, die zusammengedrückt werden, mit einem Schlag entlastet werden, können innere Blutungen wieder auftreten, die vorher durch den Druck abgedrückt wurden. Der Arzt befürchtet dies auch und legt eine weitere Infusion. Verhindern kann man es nicht. Sackt der Blutdruck nach dem Hochdrücken des Armaturenbrettes massiv ab, muss er sofort raus und unters Messer.
?Kai, das wird vermutlich noch einmal weh tun, aber danach ist es besser.? Wem erzähle ich da was - ihm oder mir? Das Leben des Jungen hängt mit seinen zerschmetterten Knochen an einem seidenen Farben. Zum ersten Mal Zeit für Mitgefühl: Komm, Junge, zieh. ZIEH. Noch 5 Minuten, dann ist es vorbei. ZIEH. Kai stöhnt. Schneller.
Das Anheben des Armaturenbrettes ist ähnlich schwierig wie das vorherige Einschneiden. Technisch ist es kein Problem, mit 10 Tonnen Druckkraft das Metall auseinanderzudrücken, aber keiner weiß, ob die Reste der Unterschenkel nicht irgendwie mit dem Metall verhakt sind. Keiner will dem Jungen noch weitere Verletzungen zufügen.
Mit Schweiß auf der Stirn setzt der Truppführer das 30kg schwere Gerät wie eine Pinzette an. Nachdem die Spitzen erst mal ?Masse?, richtige Ansatzpunkte gefunden haben, bewegt sich das Armaturenbrett laut knackend und knirschend nach oben. Ich versuche das Schutzschild nachzuschieben. Kurz bevor das Armaturenbrett Dachhöhe erreicht, stöhnt Kai auf und sackt in sich zusammen: Bingo. ?Der muss raus. Jetzt? sagt der Arzt. Eher sich als uns. Ein Blick in den Fußraum bestätigt unsere Befürchtung: Die Unterschenkel sind blutig und ?matsche?, der linke Fuß ist vom Bodenblech förmlich umschlungen. Doch keine Zeit mehr. Der klobige ? Gott sei Dank klobige - Turnschuh wird aufgeschnitten, ich ziehe den Fuß mit einem kräftigen Ruck raus. ?Patient frei? höre ich mich rufen. Dann wird Kai mit der Hilfe von vielen Händen auf ein Spineboard, eine körperlanges Brett gezogen. Ich versuche dabei, die Beine einigermaßen zu führen, was mir aber nur teilweise gelingt. Das dabei entstehende Geräusch und das Gefühl, Beine mit mehrfach gebrochenen Knochen bewegen zu müssen, wird mich die nächsten Tage begleiten, dessen bin ich sicher. Ich gebe den Schutzschild an den Kameraden vom Rüstwagen weiter, ich bin ?raus?. Steffi wird von einer anderen Crew gerettet.

Es ist totenstill, als ich meinen Hausflur um 5 Uhr morgens betrete. Aufgewühlt. Zwar hat Kai das Krankenhaus lebendig erreicht, aber der Arzt rief auf der Feuerwache an und teilte uns mit, dass er eine äußerst schlechte Prognose hat. Als ich mich vorsichtig ins Bett lege, kommt mir nun die stille und friedliche Welt des Schlafzimmers unwirklich vor. ?Wie wars?? murmelt meine Frau. ?Nicht so schlimm?, lüge ich. Ich werde das morgen mit ihr besprechen. Es reicht, wenn einer nicht schlafen kann. Und so liege ich hellwach da und starre die Decke an. Zeugen haben gesagt, der gelbe Wagen sei an ihnen vorbeigeschossen und dann plötzlich ins Schleudern gekommen. Zu schnell gefahren. Heizer. Blödmann. Wenn der schon nicht an sich oder an seine Freundin, denkt, könnte er doch wenigstens an uns denken. Der Gedanke ist natürlich absurd.
Der nächste Gedanke, dass in ein paar Jahren meine Söhne mit Papa?s Auto loswollen ist es nicht und bricht in die aufziehende Selbstgerechtigkeit. Wie bringe ich sie dazu, nicht zu heizen? Wie dazu, dass sie meine Warnungen nicht in den Wind schlagen. Was wäre gewesen, wenn Kai dein Junge gewesen wäre...

Nach 5 Uhr morgens wieder einschlafen ist eh nicht gut.

Bitte denkt an uns.
scarecrow

RANG Godlike

#4 - 07.04 16:45

beides sehr gut geschrieben ........

........ aber ob es dem wahnsinn aufhält ??
†ЯøjãnэЯ *www.mh-auto.de*

RANG Deckschrubber

#5 - 07.04 16:52

nicht wirklich.
Perseus

RANG Deckschrubber

#6 - 07.04 17:44

#2 seit wann kann man Energien in Massen angeben? o_0
Robbenklopper

RANG Deckschrubber

#7 - 07.04 17:53

das wird wohl immer auf die kraft bezogen sein, einfach auf den zusammenhang F=m*a und da man sich kräfte nicht vorstellen kann, halt immer die korrespondierende Masse, die man mit der entsprechenden Kraft vom Boden heben könnte. Es ist nicht wirklich physikalisch korrekt beschrieben aber dafür gut verständlich (meiner Meinung nach).
†ЯøjãnэЯ *www.mh-auto.de*

RANG Deckschrubber

#8 - 08.04 05:58

genau aus diesem grund wurde das so geschrieben, damit sich jederman etwas darunter vorstellen kann.
Earth - Däääh

RANG Deckschrubber

#9 - 08.04 15:57

Solche Texte sollte man mal in der Fahrschule behandeln
Morpheus

RANG Deckschrubber

#10 - 08.04 17:32

da haste wohl recht!

Hat noch jemand solche Texte?
▪мadDσg▪ FUBAR אּ

RANG Master of Clanintern

#11 - 08.04 18:32

zu dem Text in 3:

Am nächsten Tag darf man sich dann von den lieben Mitbürgern als notgeiler, assozial Wichtigtuer und was-weiß-ich-noch-alles beschimpfen lassen, weil man mitten in der Nacht mit Sondersignal gefahren ist und sie aufgeweckt hat. Brauchten bestimmt 10 Minuten, bis sie wieder einschlafen konnten... :schüchtern:

3 of 5 määh

RANG Godlike

#12 - 09.04 10:14

Sehr gute Texte, beide!

Der erste wirkt so trocken und "kalt", dass es umso unangenehmere Gefühle rüberbringt. Ich find's gut, dass die Energie als Masse "übersetzt" ist, damit kann sich wirklich jeder was darunter vorstellen..

Der zweite ist hart, da tun einem die Einsatzleute erst recht leid. Nicht nur mitten in der Nacht ausm Bett geholt werden, sondern vorallem die Psychischen Belastungen, solche Bilder verliert man ja nie!

Das sollte nicht nur als "trockener" Text in Fahrschulen behandelt werden. Ich fände es besser, wenn es als so ne Art Reality-Reportage aus Sicht des Feuerwehrmannes verfilmt und gezeigt wird.
Das beeindruckt junge Fahrer sicher mehr als ein einfacher Text.


Ich geb zwar zu, dass ich auch oft zu schnell unterwegs bin und sich das wohl auch nicht so bald ändert, ein mulmiges Gefühl hat man aber schon
Blumenkind

RANG Skill Admiral

#13 - 09.04 10:18

Als Fahrschulfilm? Die eignen sich doch erfahrungsgemäß nur zur Belustigung, oder war deine Fahrschule da anders?

Stell mir grad das Szenario aus dem 2. Text als lowbudget vor, mit jede menge billig kunstblut und schlechten schauspielern das hilft doch nix...
Sir André *FC.Köln.bezwinger*

RANG Ober0wn3r

#14 - 09.04 10:38

#13 zustimm!
†ЯøjãnэЯ *www.mh-auto.de*

RANG Deckschrubber

#15 - 09.04 10:58

es gibt ein paar videos diesbezüglich. ich schau später mal, ob ich was finde.
fotzwaste *brüllaffen flavour*

RANG Deckschrubber

#16 - 09.04 13:11

apropos "Was wäre gewesen, wenn Kai dein Junge gewesen wäre..." - hier in meiner gegend gab es tatsächlich den wirklich üblen fall, das ein feuerwehrmann ( ein freund von mir ist in derselben feuerwehrgruppe eben ) bei einem unfall seinen eigenen sohn bergen musste, welchen es völlig in stücke gerissen hat... das stell ich mir echt übel vor
Morpheus

RANG Deckschrubber

#17 - 09.04 13:25

Seltsame Wache, bei uns wäre der Sofort vom Einsatz abgezogen worden. Wenn einer mitbekommen hätte das das sein Sohn ist.
[KF]Haubi

RANG Master of Clanintern

#18 - 09.04 14:18

viell. hat er es zu spät gemerkt...
erst ein bein. dann ne hand.... und da der kopf --> OMG! MEIN SOHN!
fotzwaste *brüllaffen flavour*

RANG Deckschrubber

#19 - 09.04 14:34

@17
weiss ned genau wie das ablief, denke aber auch das das passiert wäre hätte man es gewusst. wäre auch möglich das das erst an der unfallstelle bekannt wurde, u.a. kanns ja auch ein beifahrer gewesen sein oder whatever.
Morpheus

RANG Deckschrubber

#20 - 09.04 14:44

#18/19, ok - da habt ihr Recht, habe wohl irgendwie nicht weiter gedacht bzw. überhaupt nicht richtig darüber nachgedacht.
†ЯøjãnэЯ *www.mh-auto.de*

RANG Deckschrubber

#21 - 09.04 15:12

www.youtube.com/watch?v=YpwYQlagQlI&feature=related

www.youtube.com/watch?v=Gyzdp6CL8Wo

www.myvideo.de/watch/2449110/warum_Mami
Sir André *FC.Köln.bezwinger*

RANG Ober0wn3r

#22 - 09.04 15:39

www.youtube.com/watch?v=WOQmWjZC6hU
†ЯøjãnэЯ *www.mh-auto.de*

RANG Deckschrubber

#23 - 09.04 15:51

knallhart.
Earth - Däääh

RANG Deckschrubber

#24 - 09.04 17:26

de.youtube.com/watch?v=vinQInkLfzQ

nix für schwache Nerven!
†ЯøjãnэЯ *www.mh-auto.de*

RANG Deckschrubber

#25 - 09.04 18:30

de.youtube.com/watch?v=M4pIMzeIEY0&feature=related hier nochma das video passend zu #2
CaptainCat™

RANG Lord of Clanintern

#26 - 10.04 14:38

@24

echt hart
sHox`

RANG Ultimate 0wn3r

#27 - 10.04 15:18

da is 2guys1horse härter
Earth - Däääh

RANG Deckschrubber

#28 - 11.04 12:42

soweit ich weiß wird bei 2guys1horse keiner verletzt!
Sir André *FC.Köln.bezwinger*

RANG Ober0wn3r

#29 - 11.04 12:59

woher meinst du das zu wissen?
Earth - Däääh

RANG Deckschrubber

#30 - 11.04 14:59

Wenn ich jetzt nicht den post schreiben würde dann hätte bestimmt jemand geschrieben: "weil er selbst der Typ war"